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Start Up! My Boo. Masterthesis

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In der Masterthesis werden neue Arbeitswelten für Start Ups und Co-Worker geschaffen. Anhand der Corporate Identity des jungen Unternehmens „my Boo“ wird eine identitätsstiftende Architektur entwickelt.

My Boo ist ein im Jahre 2013 gegründetes Start Up, welches Fahrräder aus Bambusrahmen vertreibt. Das Material, der Bambus wird in Ghana geschlagen und dort mit harzgetränkten Hanfseilen zum Fahrradrahmen gefertigt. Das nachhaltige Material wächst bis zu einem Meter am Tag und hat Steifigkeitswerte die mit Stahl vergleichbar sind.

Das ökologische Unternehmen my Boo legt seinen Fokus auf soziale Nachhaltigkeit. Für die Arbeiter in Ghana bedeutet dies faire und sichere Arbeitsbedingungen. Außerdem wird für jedes verkaufte Fahrrad ein Schulstipendium in Afrika finanziert. Die fertigen Bambusrahmen werden anschließend in Deutschland mit den benötigten Metallteilen ausgestattet. Diese werden von Arbeitern der Stiftung Mensch, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, gefertigt.

In Hinblick auf den Claim des Unternehmens „von Ghana in die Welt“ sollen zunächst europaweit Standorte gefunden werden, die der Marke my Boo und anderen Start Ups dabei unterstützen, sich am Markt zu etablieren.

Beispielhaft hierfür wurden die „Fahrradstädte“ Amsterdam, Kopenhagen, Bozen und Bonn gewählt. Bahnhöfe sind im Allgemeinen sehr gut an den öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen und häufig im Zentrum der Städte gelegen. Orte, an denen ein hoher Mobiltätsmix stattfindet. Dieser Mobilitätsmix eignet sich daher hervorragend für das neue Start Up Gebäude: Einerseits für junge Unternehmer und Einwohner, die auf Bus und Bahn angewiesen sind andererseits für Touristen, die zufällig an dem neuen Gebäude vorbeikommen. Auch für mögliche Investoren ist der identitätsstiftende Ort am Bahnhof einfach zu erreichen. Anhand dieser Vorteile soll die erste neue my Boo Manufaktur im geplanten Start Up Gebäude am Bonner Hauptbahnhof errichtet werden.

Der Entwurf baut außerdem auf dem Ziel der Stadt Bonn auf, bis 2020 Deutschlands Fahrradhauptstadt zu werden. Überdies tragen die neuen Räumlichkeiten der Stadt dazu bei, das Angebot für junge Gründer zu erweitern und die Unternehmer von morgen zu fördern.

Um auf das Start Up Unternehmen my Boo aufmerksam zu machen, wird Bambus als Visual Key genutzt und auf der Poppelsdorfer Allee, Bonns Grünstreifen, gepflanzt. Je näher die Besucher dem neuen Baukörper kommen, je mehr verdichten sich die bis zu 40 Meter hoch wachsenden Bambushalme. Die Umfeldanalyse ergab, dass ein Fahrradhighway vom Grundstück (neben dem Hintereingang des Hauptbahnhofes) bis zur Universität sinnvoll ist. Sichtbar an der zum Highway gerichteten Fassade wird eine vollautomatische Fahrradanlage errichtet. Das Fahrrad kann gegen eine Gebühr angenommen und im Gebäude gelagert werden. Für die Kurzparker gibt es außerdem eine Tiefgarage im Start Up Gebäude. Diese ist direkt an Gleis 5 des Hautbahnhofes angeschlossen und wird in das Gebäude hinein und aus dem Gebäude heraus über Rampen erschlosssen.

So finden ca. 700 Fahrräder Platz, die Bonn benötigt, um das Ziel Fahrradhauptstadt im Jahre 2020 zu sein, zu erreichen. Die Stellplätze werden insbesondere in der Innenstadt, in der „das größte Radverkehrsaufkommen vorzufinden ist“, angrenzend an den Hauptbahnhof, benötigt.1

Grundgedanke des Städtebaulichen Entwurfs ist eine simple Gebäudeform, die sich in das Stadtgefüge einbindet. Das besondere Material der Marke my Boo wird durch einen Bambuswald in der Gebäudemitte erneut aufgenommen: Die Bambushalme wachsen über das Gebäude hinaus. Auf diese Weise machen sie so von verschiedenen Standpunkten in der Stadt auf sich aufmerksam. Darüber hinaus bieten sie bei dem Betreten des öffentlichen Gebäudes ein Naturerlebnis mitten in der Stadt. Um die Sicht in den Bambuswald auch aus der Fußgängerperspektive zu erleben, gibt es würfelförmige Aussparungen im Gebäude. Von unterschiedlichen Punkten rund um das Gebäude werden die Blicke der Passanten so in das Gebäudeinnere gelenkt.

So wird der Bekanntheitsgrad des einzelnen Unternehmens gesteigert und die Kundenakquise erleichtert.

Durch die besondere Lage in direkter Nähe zum Hauptbahnhof und somit im Mobilitätsmix von Bonn ist das Thema Bewegung (siehe Markensteuerrad) – ebenfalls im städtebaulichen Entwurf verortet. Der Schwung der abfahrenden Bahnen beeinflusst die Gebäudeform. Das Gebäude flacht zu den Bahngleisen hin ab und erreicht seinen höchsten Punkt in direkter Nähe zum Poppelsdorfer Schloss und der Allee, eines der Touristenziele Bonns. Der Baukörper bietet außerdem Lärmschutz für die bestehenden, hochpreisigen Wohnungen im Süden.

Neben den Gebäudeaussparungen werden Kommunikationskuben genutzt, um Ideen und Produkte der Start Up Unternehmen nach außen zu tragen. Die Kuben stoßen aus dem Gebäudeinneren in den öffentlichen Raum. Sie können als „Schaufenster“ für Produktpräsentationen oder als Meeting Räume genutzt werden. Die in grünem Glas ausgeführten Kuben stoßen sowohl nach außen als auch in den Bambuswald.

Neben jungen Firmengründer sollen auch CoWorkern die Möglichkeit gegeben werden, über eine App stunden- oder tageweise einen oder mehrere Arbeitsbereiche zu mieten. Diese geben wertvolle Erfahrungen an die jungen Gründer weiter und bekommen gleichzeitig Input der jungen Kreativen. Durch die Verbindung des Fahrradhighways sollen auch Studenten der Bonner Universität die Flächen des neuen Gebäudes nutzen können. Durch den Austausch der unterschiedlichen Start Ups wird der Unternehmergeist angeregt.

Mit einer Ansiedlung im Start Up-Gebäude profitieren Existenzgründer von der vorhandenen intelligenten Infrastruktur.

Die Nutzeranalyse verschiedener Start Up- und coworking typischer Berufsgruppen führt zu der Anordnung der Flächen im Gebäudeinneren: Angelehnt an Gewerbehöfe finden im Erdgeschoss junge Unternehmer Platz, die Werkstätten für die Herstellung ihrer Produkte benötigen. Das Erdgeschoss wird einerseits als Manufaktur und andererseits als Showroom verstanden, um den Produktionsprozess transparent zu gestalten. In den drei Obergeschossen gibt es zwei verschiedene Bereiche, insbesondere für die digitale Arbeit: Ruhezonen für Einzelarbeiten und Gemeinschaftsflächen. Generell orientiert sich der erste Bereich nach innen um den Bambuswald herum, so soll das konzentrierte Arbeiten gefördert werden. Gemeinschaftsbereiche öffnen sich zum Außenraum, um die Kommunikation mit der Umgebung herzustellen und Präsenz zu zeigen.

Zukunftsforschungen haben ergeben, dass sich die Arbeitswelt in den nächsten Jahren wandeln wird. Prognosen nach werden Einzelarbeitsplätze weniger, wohingegen Gemeinschaftsflächen wachsen werden. Gearbeitet wird häufig außerhalb des Büros. Dadurch ist das Büro oft nur noch ein Treffpunkt für Meetings. Anstelle von Wänden, die Bereiche voneinander abgrenzen, gibt es lediglich Raum-in-Raum-Lösungen für Meetings und Ruhezonen. Um den Austausch zu fördern, gibt es nur wenige Bereiche die voneinander abgetrennt sind. Möblierungen, die einerseits Austausch und Kommunikation und andererseits ein kreatives Umfeld und Erlebnis ermöglichen, werden eingesetzt. Das erlebnisreiche Arbeiten hat den Hintergrund, dass die Mitarbeiter sich wohl fühlen und sich mit dem Unternehmen identifizieren können. Neben den Mitarbeitern sollen auch Kunden durch alle Flächen laufen können und die Produkte mit dem Erlebten nachhaltig verbinden. Besucher, mögliche Investoren und Start Ups bzw. CoWorker kommen so leichter ins Gespräch. Zum Arbeiten wird zukünftig auch immer mehr das Wohnen einbezogen. Aufgrund dessen werden im dritten Obergeschoss Zimmer die der Übernachtung vorgesehen. Diese bieten sowohl Besucher/innen und Investoren als auch den Start Ups selber die Möglichkeit der Übernachtung und Erholung.

Für die Übernachtung werden Zimmer angeboten, bei denen die Gäste zwischen 3 Optionen aussuchen können:

1. Bett + Badewanne

2. Bett + Schreibtisch

3. Bett + Sitzmöglichkeiten

Für die kurze Erholung gibt es „Schlafkapseln“. Die aus Japan stammende Idee bringt auf wenig Raum viele Personen unter. Das ermöglicht spontane und kostengünstige Schlafmöglichketen.

Die transparenten Produktionsprozesse, die das soziale Anliegen von my Boo unterstützen, sind auch im Raumkonzept ablesbar. Durch offen gestaltete Räume und fließende Übergänge zu einzelnen Bereichen- und Unternehmen entsteht ein reger Austausch und Kommunikation untereinander. Dieser Gedanke wird durch das Split Level innerhalb des Gebäudes unterstützt: Durch die versetzten Höhen der Gebäudeteile entstehen Blickverbindungen in die anderen Ebenen. Die Geschosse werden außerdem mit Rampen im Gebäude und durch den Bambuswald verbunden.

Das führt erneut zu Kommunikation und Bewegung im Bauwerk. Außerdem soll hier das im Erdgeschoss bei my Boo angebotene Bambus-Fahrrad getestet werden können.

Im dritten und vierten Obergeschoss gibt es ein Café, welches einen 360 Grad Blick über Bonn ermöglicht. Zur großen Dachterrasse führen erneut Rampen, die sowohl mit dem Fahrrad als auch mit dem Rollstuhl erreicht werden können.

Neben dem gefärbten Glas der Kuben wird dieses Material auch in der restlichen Fassade eingesetzt: Die Aussparungen, die den Einblicken der Fußgänger dienen, bleiben transparent. Andere Bereiche werden, je nach Nutzung, durch die Glasfassade in verschiedenen Transparenzen ausgebildet. Die unterschiedlich beschichteten Glasfassaden dienen u.a. gleichzeitig als Sonnenschutz.

Eingesetzt werden vor allem nachhaltige Materialien wie Beton. Bambus wird hier als natürliche Faserverbundbewehrung als nachwachsender Ersatz für Stahl eingesetzt.

Die Bambushalme stellen im Inneren mit ihrer natürlich gewachsenen Struktur einen klassischen Gegenpol zur gebauten Umgebung. Sie erschließen sich somit dem Betrachter als erinnungsreiches, und den Nutzern als lebendiges Gebäude.

1 https://www.bonn.de/umwelt_gesundheit_planen_bauen_wohnen/radverkehr/projekte/fahrradhauptstadt_2020/01595/index.html%3Flang%3Dde+&cd=3&hl=de&ct=clnk&gl=de