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Praktikum in Malta – Erasmus-Bericht

Im Wintersemester 2013/2014 war ich als Praktikantin in dem Architekturbüro Architecture Project als Praktikantin tätig.
Erasmus Endbericht
(mit Bildern und Text als PDF)

 

Erasmus-Praktikumsbericht
Bericht über ein Praktikum in einem Architekturbüro in Valletta (Malta, Oktober 2013 – Januar 2014).
von Lea Schröder

 

Motivation, Vorbereitung und Formalitäten vor Ort

Während Ende des zweiten Semesters meines Masterstudiums (Architektur) entschied ich mich, die Studienzeit zu nutzen, um Auslandserfahrung in Form eines Praktikums zu erlangen.

Motivation dafür war vor allem, mein fachspezifisches Englisch im Bereich Architektur zu verbessern, da ich während meines Studiums in den AIT-Architektursalons arbeite und dort teilweise bei internationalen Projekten an meine sprachlichen Grenzen stoße.

Zunächst kontaktierte ich das International Office unserer Fachhochschule. Allerdings war ich sehr spät dran und die Praktika größtenteils schon vermittelt. Immer wieder habe ich dann das Internet nach Praktikumsangeboten durchsucht. Amerika schied leider nach kurzer Zeit aus – die Kosten konnte und wollte ich nicht stemmen und auch die Einreisebestimmungen machen es ausländischen Praktikanten nicht gerade einfach, in Amerika Fuß zu fassen. Aufgrund des Geldes schaute ich auch nicht weiter nach Angeboten in Australien, Asien und Afrika und begrenzte meine Suche auf Europa. So habe ich mich – meist initiativ – in England, Schweden, Holland und Malta beworben. Für mich durchaus überraschend bekam ich größtenteils Zusagen. Dass ich mich letztendlich für das Architekturbüro „Architecture Project“ und den Zwergstaat Malta entschieden habe, hatte mehrere Gründe. Da ich vor vier Jahren einige Wochen eine Sprachreise nach Malta machte, hatte ich über E-Mail und Facebook Kontakt zu meiner damaligen Lehrerin, einer gleichaltrigen Malteserin, gehalten. Das Büro und dessen Projekte sagten mir außerdem zu. Ein nicht außer Acht zu lassender, positiver Aspekt ist das Maltesische Klima. Hier gibt es auch in den Wintermonaten mehrere Sonnenstunden pro Tag und es ist bis zu 20 Grad warm. Heute kann ich erstmals in meinem Leben behaupten, mir Ende November noch einen Sonnenbrand geholt zu haben. Sogar der letzte Monat meines Praktikums, Januar („tiefster Winter“), war entgegen aller Erwartungen meist sonnig zwischen 14 und 20 Grad.

In den Sommersemesterferien reiste ich nach England um dort in einem Backpackerhostel zu arbeiten. Nebenbei schrieb ich meine englischen Bewerbungen und übersetzte meine Projekte.

Nachdem ich bei “Architecture Project” zugesagt hatte, mailte ich fast täglich mit Tom, einem der Partner des Architekturbüros. Er bemühte sich sehr darum, mir das Ankommen in Malta so angenehm und einfach wie möglich zu gestalten. Er beschrieb laufende und abgeschlossene Projekte, die verschiedenen internationalen Mitarbeiter und gab mir einige Tipps für die Wohnungssuche. Mein Zimmer in einer WG habe ich daraufhin über die Seite gefunden, die er mir empfahl. Auf diesem Wege ist es vor allem im Winter, wenn nicht so viele Sprachreisen angeboten werden, ganz einfach, eine Wohnung zu finden.

Meinen Flug buchte ich bei Air Malta. Von Düsseldorf aus gibt es alle zwei Tage einen Direktflug zu dem überschaubaren Malta International Airport. Die Kosten für den Hin- und Rückflug liegen zwischen Oktober und Januar bei 180 bis 300 Euro.

Bei meiner Versicherung gab ich vorher den Zeitraum an, in dem ich mich im Ausland befinden würde. Ich hätte die Möglichkeit gehabt, ein “Auslandspaket” zu meiner Versicherung dazuzubuchen, die beispielsweise im Sterbefalle meinen Rücktransport kostenlos organisiert hätte oder Krankenhausaufenthalte finanzieren würde. Da ich beides nicht vorhatte, habe ich dieses Paket nicht abgeschlossen 😉 Meine Haftpflichtversicherung gilt weltweit.

 

Unterkunft:

Meine Wohnung Wohnung befand sich in Sliema. Die Touristenstadt Sliema, ursprünglich ein kleiner Fischerort, ist heute neben Saint Juliens und Valletta die belebteste Stadt des Landes. Es gibt viele Cafes, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und Hotels. Den Charme eines Fischerdorfes, wie man ihn noch im Süden des Landes (z.B. in Marsaxlokk) erleben kann, ist in Sliema definitiv nicht mehr zu spüren. Das Stadtbild von Sliema prägen die typischen ca. 300 Jahre alten, stark renovierungsbedürftigen Wohnhäuser. Da die Bauten sehr eng aneinander gebaut wurden, gibt es in allen Häusern etwa 2,50 x 2,50 m große Lichtschächte. Die „Skyline“ von Sliema stellt vor allem die Hotelbauten dar. Grünflächen gibt es fast gar nicht.

Mir war es wichtig, sofort Anschluss zu finden und entschied mich, in einer WG zu ziehen. Unsere Wohnung befand sich in einem solchen typischen Wohngebäude und wurde vor wenigen Jahren renoviert. Dieses steht in einer Nebenstraße zum Meer – von dem Balkon hatten wir einen tollen Blick auf das Meer, welches in 50 Metern zu erreichen war.

Meine beiden Mitbewohner Lena (29 Jahre, Ukrainerin) und Erik (29 Jahre, Deutscher) arbeiten in einer Betting Company im Costumer Service. Es gibt rund 400 Betting Companies in Malta, die weltweit tätig sind. Nach dem Tourismusgeschäft, vor allem durch die Sprachschulen, sind diese der zweite Wirtschaftszweig in Malta. Beide leben seit über 2 Jahren in Malta. Dieser Job ermöglicht es vielen Ausländern in Malta Fuß zu fassen und ist neben dem Tourismus ein weiterer Grund für die vielen verschiedenen Nationalitäten in Malta.

Für unsere 120 Quadratmeter große Dreier-WG in Sliema bezahlten wir monatlich inclusive aller Kosten (Strom, Heizung, Internet) 310 Euro pro Person. Um zum Praktikum zu kommen, fuhr ich jeden Morgen mit der Fähre von Sliema nach Valletta. Das war täglich ein super Start in den Tag. Vor allem wenn die Sonne schien, beeindruckte mich die Weite des Meeres und der fantastische Blick nach Valletta ich immer wieder. Die Überfahrt dauert etwa 8 Minuten, ein Schiff pendelt jede halbe Stunde von Sliema nach Valletta und zurück. Ab und an bin ich nach der Arbeit von Valletta nach Sliema nach Hause gegangen. Bei gutem Wetter ist der etwa 6 km lange Weg entlang der Häfen von Floriana, Msida, Ta´X´biex und Gzira superschön.


Praktikum:

Um zum Büro zu kommen, musste ich von der Fähre in Valletta noch insgesamt 140 Stufen und zwei kleine, steile Berge gehen. Bis ich dann an meinem Platz ankam, waren es noch einmal 120 Stufen innerhalb des Gebäudes. Denn auch das Büro ist in einem typisch Maltesischen Wohnhaus untergebracht. Auf den jeweiligen Geschossen existieren die ursprünglichen Wände allerdings nicht mehr und so arbeiten die insgesamt knapp 50 Mitarbeiter über fünf Etagen neben- und miteinander. Auf Kommunikation und Austausch wurde hier sehr großen Wert gelegt – die gläsernen Wände der Besprechungsräume spiegelten diesen Gedanken wieder. Private Gespräche unter Kollegen beobachtete ich eher selten. Toll fand ich allerdings, dass es jeden Freitag eine „Lecture“ über den Beamer gab. Um halb zwei stellten andere Firmen interessante Produkte vor, ein Mitarbeiter von AP berichtete über ein abgeschlossenes Projekt oder eine aus dem Urlaub zurück gekehrte Mitarbeiterin zeigte Urlaubsfotos einer Safari in Süd Afrika.

Architecture Project“ ist das größte Architekturbüro in Malta und hat Zweigstellen in London und Krik, Kroatien. Vor allem werden hier nationale Projekte betreut. 80 Prozent davon sind Restaurationen. Das Spektrum des Büros ist aber weit gefächert: es arbeiten Architekten, Innenarchitekten, Konstrukteure, Restaurateure, Architekturtheoretiker, IT-Fachleute und Statiker zusammen. Auch hier begegneten mir tagtäglich viele verschiedene Nationalitäten, größtenteils Europäer.

Ein Unterschied zu der Arbeit in Deutschland ist die Gelassenheit, die hier herrscht. In meiner ganzen Praktikumszeit habe ich keine Situation erlebt, in der jemand offensichtlich in Stress oder Eile gewesen wäre. An meinem ersten Praktikumstag hat sich Tom viel Zeit für ein persönliches Gespräch für mich genommen und neben den üblichen Fragen haben wir auch über privates wie z.B. Köln, die Arbeit bei der AIT und den Handball gesprochen. Danach hat er mich im Büro herumgeführt und allen Mitarbeitern vorgestellt. Anschliessend konnte ich mich an meinen Rechner setzen und mich erst einmal ein wenig durch die Programme klicken. Das Büro arbeitet vor allem mit AutoCAD, Rhino, Sketch Up und der Adobe Suite. Da ich diese bis auf Letzteres nicht beherrschte, schaute ich an den folgenden Tagen (und auch Wochen) immer wieder Youtube-Tutorials. So hatte ich das Arbeiten mit AutoCAD und Sketch Up schnell drauf. Da Sarah, eine Mitarbeiterin, gerade mit einem neuen Projekt begonnen hatte, durfte ich bei diesem einsteigen. Wir besichtigten ein, wie oben mehrfach erwähntes, typisches Wohngebäude in Valletta, welches restauriert und teilweise erweitert werden sollte. An den folgenden Tagen hatte ich dann die Aufgabe, anhand von Zeichnungen, Fotos und Erinnerungen ein Modell zu bauen. Dieses gestaltete sich aufgrund der nicht immer richtigen Zeichnungen eines anderen Architekturbüros als relativ kompliziert. Für den Einstieg in das Projekt war dies allerdings eine sehr gute Grundlage. Im nächsten Schritt kamen vor allem Recherche und einfache Visualisierungen auf mich zu – sowie die Planung eines Pavillons auf der Dachterrasse. Da ich als eine der wenigen hier mit In-Design umgehen konnte, durfte ich auch an einer Imagebroschüre für AP und Malta mitarbeiten. Im neuen Jahr ging es vor allem um die Innenraumgestaltung. Hier waren meine Aufgaben, Entwürfe dazu zu zeichnen. Eine davon kam sehr gut bei den Kollegen an und wird nun so umgesetzt. Anschließend arbeitete ich viel mit Sketch Up und Photoshop, um das Geplante zu visualisieren.
Als besonders angenehm habe ich die Arbeitsatmosphäre bei AP empfunden. Es herrschte niemals Stress und ich hatte immer mehr als genug Zeit um meine Aufgaben zu erledigen.

 

Alltag und Freizeit

In meiner Freizeit war mein Aufenthalt auf Malta vor allem mit Sport, Relaxen und Kultur bestimmt. Zwei Mal in der Woche ging ich zum maltesischen Handballtraining. Obwohl ich in Deutschland seit zwei Jahren nicht mehr gespielt habe, konnte ich beim Training locker mithalten. Das Niveau ist hier insgesamt nicht so hoch. Die Mädels, viele Malteserinnen aber auch einige Ausländer, nahmen mich sehr gut auf und waren sehr nett. Auch in Malta gibt es eine Liga. Die Damenliga in Malta besteht aus insgesamt 6 Teams. An den Wochenenden werden abwechselnd „Cup“- und „Leaguematches“ ausgespielt. Anfangs war es für mich sehr ungewohnt, die Begrifflichkeiten in Englisch und ab und zu in Maltese (neben Englisch die Landessprache), Italienisch, Spanisch oder Romänisch zu hören – ich habe mich aber sehr schnell daran gewöhnt und kann nur weiter empfehlen, sich bei Praktika im Ausland eine Sportmannschaft zu suchen um neue Kontakte zu knüpfen. Diesen ist es auch geschuldet, dass ich am Wochenende ab und an in Paceville, dem „Vergnügungsviertel“ von Saint Juliens unterwegs war. Die Malteserinnen können in Sachen Feiern sehr gut mit uns Deutschen mithalten, sind sehr offen und kontaktfreudig. Vor allem die Leidenschaft für den Handball hat mich sehr beeindruckt. Die Malteser sind generell sehr temperamentvoll und begeisterungsfähig und es macht Spass, mit Ihnen zu diskutieren.

Ich hatte außerdem mehrfach Besuch aus Deutschland. Drei Freunde besuchten mich jeweils eine Woche und auch meine Eltern waren eine Woche hier. Alle drei waren überrascht, dass Malta an Kultur und Sehenswürdigkeiten doch einiges zu bieten hat. Aufgrund meines Praktikums haben wir vor allem am Wochenende und abends in der Woche einiges unternommen. An sonnigen Tagen sind besonders die Blue Lagoon auf der Nachbarinsel Comino und die Blue Grotto ein Muss. Die schönen Sandstrände im Osten und Westen des Landes lohnen sich ebenfalls. Es gibt viele Tagesangebote, wie Bus- und Bootstouren quer durch das ganze Land. Wesentlich günstiger gelangt man allerdings mit den Bussen, über die Insel (ein Tagesticket kostet 2,80 Euro – seit dem 1.1.2014 nur noch 1,50 Euro – und gilt für ganz Malta). Die Lebenshaltungskosten generell sind mit denen in Deutschland zu vergleichen. Seit 2008 zahlt man auch hier mit dem Euro. Kulturell hat Malta einiges zu bieten: Von der Hauptstadt Valletta (europäische Kulturstadt 2018) über Museen, Ausstellungen, Tempel und ein Besuch in Mdina, eine von Mauern umgebene Stadt, sind lohnenswert. Außerdem beeindruckend ist der Dom von Mosta, der zweitgrößten Stadt Maltas. Dieser ist der drittgrößte Dom der Welt mit einer freitragenden Kuppel.


Fazit:
Ich habe meine Zeit auf Malta sehr genossen und es niemals bereut nach Malta gegangen zu sein. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und die Zeit verging schnell. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass mich die Sprache (insbesondere die Fachsprache) und die neuen Programme überfordern könnten. Doch da mir immer wieder „Take your time“ gesagt wurde, passte ich mich dem wirklich entspannenden Arbeiten und Lifestyle der Malteser schnell an. Die Zeit war mich eine absolute Erholung und ein ziemliches Kontrastprogramm zum deutschen Lebens- und vor allem Arbeitsstil. Ein wenig vermisste ich sogar den „Stress“ der Deutschen.
Aus Erfahrung kann ich es nicht empfehlen, zwischen Juni und August nach Malta zu reisen – zumindest nicht, wenn die Arbeit im Vordergrund steht! Ich hatte in der Zeit in Malta wirklich Glück mit dem Wetter, denn während meine Freunde in Deutschland darüber klagen, dass sie ihr Auto freikratzen mussten, fuhr ich meistens bei Sonnenschein mit dem Boot zur Arbeit oder ging in kurzer Hose zum Training.
Ich kann jedem Malta und auch das Büro weiterempfehlen. Und obwohl ich die vier Monate in Malta super fand, bin ich froh, wieder in Deutschland zu sein. Denn generell kann ich es mir nicht vorstellen, in Malta für immer zu leben. In den vier Monaten habe ich vermutlich alles mehrfach gesehen und einen guten Eindruck vom Land erhalten.

 

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